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Das emotionale Spielfeld: Wie die 12 Primäremotionen das Spielfeld unseres Lebens formen

  • Autorenbild: Janina Selbach
    Janina Selbach
  • 27. Okt. 2024
  • 5 Min. Lesezeit

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Du fragst Dich vielleicht, wie Fußball und Emotionen zusammenhängen? Auf den ersten Blick scheint diese Verbindung ungewöhnlich, doch bei näherer Betrachtung erkennen wir die tiefen Parallelen. In diesem Blogbeitrag erfährst Du nicht nur, was Emotionen sind und wie sie sich von Gefühlen unterscheiden, sondern auch, wie die 12 Primäremotionen wie Spieler auf einem Fußballfeld agieren und unser Leben beeinflussen.


Emotionen: Die treibende Kraft unseres Lebens


In meiner Arbeit als Nervensystem- und Emotionscoach geht es - wie der Name es schon sagt - hauptsächlich um Emotionen. Damit jetzt nicht gleich alle denken „Oh Gott, was soll ich denn damit?“, erkläre ich jetzt erstmal, was genau Emotionen sind, was der Unterschied zu Gefühlen ist und was das autonome Nervensystem damit zu tun hat.


Der Psychologe David Matsumoto beschreibt Emotionen als „kurze, bio-psycho-soziale Reaktionen auf spezifische Ereignisse, die Konsequenzen für unser Wohlbefinden haben und meist eine sofortige Handlung erfordern.“ Aber was genau bedeutet „bio-psycho-sozial“ in diesem Zusammenhang?


Biologisch betrachtet sind Emotionen eng mit körperlichen Reaktionen verknüpft. Jede Emotion aktiviert unser zentrales und autonomes Nervensystem, was zu spürbaren Veränderungen im Körper führt – sei es ein schneller Herzschlag bei Angst oder ein warmes Gefühl bei Freude.

Psychologisch gesehen beeinflussen Emotionen unsere Gedankenwelt. Das, was wir fühlen, lenkt unsere Aufmerksamkeit und löst bestimmte Denkmuster aus. Emotionen sind also eng mit kognitiven Prozessen verwoben und prägen, wie wir Situationen wahrnehmen und auf sie reagieren.

Auf der sozialen Ebene sind Emotionen von großer Bedeutung für unser Zusammenleben. Sie werden nicht nur durch soziale Interaktionen ausgelöst, sondern ihr Ausdruck erfüllt auch soziale Funktionen. Emotionen helfen uns, uns miteinander zu verbinden, Empathie zu zeigen und in der Gesellschaft zu agieren.

Zusammengefasst sind Emotionen vielschichtige Phänomene, die gleichzeitig unser biologisches System, unsere Gedankenwelt und unsere sozialen Beziehungen beeinflussen.


Das Wort „Emotion“ kann auch als „E-motion“ verstanden werden – „Energie in Bewegung“. Dieses Konzept verdeutlicht, dass Emotionen nicht statisch sind. Sie treiben uns an, setzen Energien frei, die wir körperlich und psychisch spüren. Sie bringen uns in Bewegung: Freude kann uns beflügeln, Wut uns antreiben, Trauer uns innehalten lassen und Angst uns zu schnellem Handeln zwingen.


Gefühle und Emotionen: Zwei Seiten derselben Medaille?


Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe Emotionen und Gefühle synonym verwendet. Dennoch gibt es da einen Unterschied. Dieser Unterschied zwischen Gefühlen und Emotionen ist ein viel diskutiertes Thema in der Psychologie. Wissenschaftlich betrachtet gibt es jedoch Unterschiede:


Emotionen sind grundlegende, biologische Reaktionen, die durch spezifische Ereignisse oder Reize ausgelöst werden. Sie haben eine evolutionäre Basis und sind oft mit physiologischen Veränderungen verbunden, wie einem Anstieg des Herzschlags oder Schwitzen. Emotionen wie Angst, Freude, Wut oder Traurigkeit sind universell und können ohne bewusstes Nachdenken auftreten.


Gefühle hingegen sind die subjektive Wahrnehmung oder Interpretation dieser Emotionen. Gefühle sind die bewusste Erfahrung der Emotion und hängen stark von individuellen kognitiven Prozessen, Lebenserfahrungen und kulturellem Hintergrund ab. Zum Beispiel kann die Emotion der Angst in verschiedenen Menschen unterschiedliche Gefühle hervorrufen, je nach ihrer Interpretation der Situation.


Ein Beispiel: Wenn jemand vor einer wichtigen Prüfung steht, könnte die Emotion "Angst" hervorgerufen werden. Das Gefühl, das daraus entsteht, könnte als bei dem einen als Nervosität und bei dem anderen als Beklemmung wahrgenommen werden.


Der Dreiklang der Emotionen: Wie sie funktionieren


Emotionen sind ein zentraler Bestandteil unseres täglichen Lebens, doch oft nehmen wir sie erst wahr, wenn sie uns Unbehagen bereiten. Dabei sind Emotionen keineswegs schädlich – im Gegenteil, sie sind überlebensnotwendig. Sie dienen als wichtige Signale für unsere psychische und körperliche Gesundheit und helfen uns, unsere Bedürfnisse zu erkennen und zu erfüllen.


Ein tieferes Verständnis von Emotionen zeigt, dass sie aus einem sogenannten „Emotionsdreiklang“ bestehen: einem Trigger, einer Funktion und einem Bedürfnis. Funktionale Emotionen durchlaufen diesen Dreiklang vollständig. Ein Beispiel hierfür ist die Emotion Trauer. Wenn wir Trauer empfinden, wird sie oft durch einen Verlust ausgelöst (Trigger). Die Funktion der Trauer besteht darin, uns zur Verarbeitung dieses Verlustes anzuregen, während das zugrunde liegende Bedürfnis möglicherweise Trost oder Akzeptanz ist.


Dysfunktionale Emotionen hingegen können in zwei Kategorien unterteilt werden: blockierte und übersteuerte Emotionen. Blockierte Emotionen treten auf, wenn das emotionale System überfordert ist, wie bei extremer Prüfungsangst, die zu einem Blackout führen kann. Das Bedürfnis nach Sicherheit und Erfolg wird in solchen Fällen nicht erfüllt. Übersteuerte Emotionen hingegen führen zu einer Überkompensation, etwa wenn übermäßiger Stolz dazu dient, ein tiefes Gefühl der Unsicherheit zu verdecken.


Der Schlüssel liegt darin, dysfunktionale Emotionen wieder in funktionale Bahnen zu lenken, sodass sie ihren ursprünglichen Zweck erfüllen können. Emotionen sind letztlich unsere inneren Helfer, die uns anzeigen, welche Bedürfnisse erfüllt sind und welche nicht. Sie sind damit unverzichtbare Werkzeuge auf unserem Weg zu einem gesunden und ausgeglichenen Leben.


Das Fußballfeld unserer Emotionen


Emotionen und Fußball – auf den ersten Blick mag diese Verbindung ungewöhnlich erscheinen, doch bei genauerer Betrachtung wird klar, wie eng die beiden miteinander verknüpft sind. Unser emotionales Leben kann metaphorisch mit einer 4:3:3-Fußballaufstellung beschrieben werden, wobei jede Primäremotion ihre eigene Position auf dem Spielfeld einnimmt.


In der Verteidigung stehen die vier defensiven Emotionen: Angst, Trauer, Scham und Schuld. Diese Emotionen schützen uns, ähnlich wie Verteidiger im Fußball, vor Gefahren und negativen Erfahrungen. Sie halten uns davon ab, unüberlegt voranzustürmen und helfen uns, innezuhalten und zu reflektieren.


Im Mittelfeld agieren die drei kooperativen Emotionen: Freude, Liebe und Interesse. Diese Spieler verbinden die Defensive mit dem Sturm, indem sie Beziehungen aufbauen und unsere soziale Interaktion fördern. Sie sind das Herzstück unseres emotionalen Spiels, ähnlich wie ein starkes Mittelfeld das Herzstück jeder Fußballmannschaft ist.


Der Angriff wird von den drei offensiven Primäremotionen gebildet: Ärger, Ekel und Verachtung. Diese Emotionen treiben uns voran, sie sind unsere Impulsgeber und sorgen dafür, dass wir uns gegen Ungerechtigkeiten zur Wehr setzen oder uns von schädlichen Einflüssen abgrenzen. Sie sind unverzichtbar, wenn es darum geht, sich im Leben zu behaupten und sich durchzusetzen.


Eine besondere Rolle spielt die Überraschung, die sich auf der Position des Torwarts befindet. Überraschung ist die emotionale Reaktion, die uns innehalten lässt, um die Situation neu zu bewerten und blitzschnell zu entscheiden, ob wir verteidigen oder in den Angriff übergehen sollten. Wie ein Torwart im Fußball, der in Sekundenschnelle reagieren muss, entscheidet auch die Überraschung, wie wir auf neue, unerwartete Ereignisse reagieren.


Der Trainer dieses Teams ist der Stolz. Er ist die einzige Primäremotion, die sowohl in positiver Form als auch in negativer Form auftreten kann – als authentischer Stolz oder als anmaßender Stolz. Der Stolz leitet und motiviert uns, auf unsere Fähigkeiten und Erfolge zu vertrauen, kann aber auch dazu führen, dass wir uns über andere erheben. Ohne diesen Trainer würde das emotionale Team nicht funktionieren, denn er gibt den Takt vor und entscheidet über die Strategie.


Das 4:3:3-Modell zeigt uns, dass jede Emotion ihren Platz in unserem Leben hat und dass sie alle für unsere emotionale Gesundheit wichtig sind. Kein Fußballteam würde jemals nur mit dem Mittelfeld auflaufen, so talentiert die Spieler auch sein mögen. Ebenso können wir unser emotionales Leben nicht erfolgreich führen, wenn wir versuchen, nur mit den kooperativen Emotionen zu spielen und die anderen zu ignorieren.


In zukünftigen Blogbeiträgen werden wir uns noch detaillierter mit den einzelnen Emotionen beschäftigen. Auf Instagram werde ich diese Themen ebenfalls aufgreifen und vertiefen. Außerdem werde ich in einem späteren Blogbeitrag darauf eingehen, wie man Emotionen in der Mimik erkennen kann – ein Thema, das eng mit der sogenannten Mimikresonanz verknüpft ist.



Quellen


Barrett, L. F. (2006): Emotions as natural kinds? Perspectives on Psychological Science, 1(1), 28-58.


Langwara, R./Eilert, D.W. (2022): Die Kraft unserer Emotionen. Junfermann Verlag, Paderborn.

 
 
 

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