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Imaginative Aufstellung einfach erklärt: Wie Du verborgene Beziehungsmuster sichtbar machen kannst

  • Autorenbild: Janina Selbach
    Janina Selbach
  • 15. März
  • 12 Min. Lesezeit
Imaginative Aufstellung: Beziehungsmuster im sozialen System sichtbar machen

Manche Beziehungsmuster scheinen sich im Leben immer wieder zu wiederholen. Vielleicht kennst Du Situationen, in denen Du Dich fragst, warum bestimmte Dynamiken in Beziehungen immer wieder ähnlich verlaufen, obwohl Du Dir eigentlich etwas anderes wünschst.

Oft liegt das nicht daran, dass wir die Situation nicht verstehen. Viele dieser Muster wirken auf einer tieferen Ebene unseres inneren Systems weiter – dort, wo unser Nervensystem Beziehungen, Erfahrungen und Erwartungen abgespeichert hat.

Genau hier setzt die Arbeit mit imaginativen Aufstellungen an. Gleichzeitig ist diese innere Landkarte von Beziehungen etwas, das wir alleine nur schwer vollständig erkennen können. Deshalb braucht es in dieser Arbeit oft den Blick von außen, der hilft, verborgene Dynamiken sichtbar zu machen.

In diesem Artikel erfährst Du, was imaginative Aufstellungen sind und wie sie helfen können, festgefahrene Beziehungsmuster auf einer tieferen Ebene zu verstehen.


Warum sich manche Beziehungsmuster gedanklich nicht lösen lassen

Viele Frauen kennen diese Situation: Sie haben längst verstanden, dass ihnen eine bestimmte Dynamik in einer Beziehung nicht guttut. Vielleicht haben sie schon Gespräche geführt, Bücher gelesen oder sich intensiv mit ihren eigenen Mustern auseinandergesetzt. Rational ist ihnen völlig klar, was passiert und warum. Und trotzdem verändert sich innerlich oft erstaunlich wenig.


In ähnlichen Situationen entsteht immer wieder dieselbe Reaktion. Ein bestimmtes Verhalten des anderen löst starke Gefühle aus, alte Gedanken tauchen auf und plötzlich ist man wieder mitten in einer Dynamik, von der man eigentlich dachte, man hätte sie längst hinter sich gelassen. Viele fragen sich dann, warum Einsicht allein offenbar nicht ausreicht, um wirklich etwas zu verändern.


Der Grund dafür liegt häufig darin, dass Beziehungserfahrungen nicht nur im Verstand gespeichert sind. Unser Nervensystem merkt sich vor allem, wie sich Beziehungen anfühlen. Es speichert Nähe und Distanz, Macht und Ohnmacht, Verantwortung, Loyalität oder auch die Angst, jemanden zu verlieren. Diese Erfahrungen formen über die Jahre ein inneres Bild davon, wie Beziehungen funktionieren und welchen Platz wir selbst darin einnehmen.


Man kann sich das ein wenig wie eine innere Landkarte vorstellen. Auf dieser Landkarte sind Menschen aus unserem Leben wie eine Art Panini Bild in uns abgespeichert. Dabei fühlen sich manche sehr nah an, andere eher weit entfernt. Einige wirken innerlich größer oder einflussreicher, während wir uns ihnen gegenüber vielleicht klein fühlen.


Solange diese inneren Strukturen im Hintergrund wirken, bleiben viele Beziehungsmuster erstaunlich stabil, selbst wenn wir sie eigentlich anders gestalten möchten. Genau hier setzt die imaginative Aufstellungsarbeit an. Sie macht diese inneren Beziehungsbilder sichtbar und eröffnet dadurch neue Möglichkeiten, die eigenen Muster Schritt für Schritt zu verändern.


Was eine imaginative Aufstellung ist und wie sie funktioniert

Eine imaginative Aufstellung ist eine Methode, mit der wir sichtbar machen können, wie unser inneres Beziehungssystem organisiert ist. Dabei geht es nicht darum, reale Menschen im Raum aufzustellen, sondern die inneren Bilder von Beziehungen und die Dynamik, die unser Nervensystem über viele Jahre abgespeichert hat.


Erfahrungen aus der Vergangenheit, prägende Beziehungen, Konflikte oder auch wichtige Entscheidungen hinterlassen Spuren in unserem emotionalen System. Oft wirken diese inneren Bilder im Hintergrund weiter und beeinflussen, wie wir heute fühlen, reagieren oder Entscheidungen treffen. In einer imaginativen Aufstellung werden genau diese Strukturen wahrnehmbar gemacht.


Das Besondere daran ist, dass diese Arbeit vollständig in der inneren Vorstellung stattfindet. Die Klientin richtet ihre Aufmerksamkeit nach innen und beginnt wahrzunehmen, wie sich bestimmte Personen, Situationen oder Themen in ihrem inneren Raum zeigen. Dadurch entsteht Schritt für Schritt ein Bild davon, wie ihr persönliches Beziehungssystem organisiert ist und welche Dynamiken darin wirken.


Aufgestellt werden können dabei sehr unterschiedliche Themen. Häufig geht es um Beziehungen und zwischenmenschliche Konflikte, etwa wenn sich bestimmte Muster immer wiederholen oder wenn eine Situation emotional stark belastet. Aber auch innere Konflikte, berufliche Entscheidungen, Selbstwertthemen oder der Umgang mit Trennungen lassen sich auf diese Weise erforschen.


Dabei kann eine Aufstellung sich auf verschiedene zeitliche Ebenen beziehen. Manchmal richtet sich der Blick in die Vergangenheit, wenn es um Erfahrungen, Prägungen oder Glaubenssätze geht, die bis heute Einfluss auf das eigene Verhalten haben. In anderen Fällen steht eine aktuelle Situation im Mittelpunkt. Ebenso ist es möglich, einen Blick in die Zukunft zu werfen, etwa wenn eine Entscheidung ansteht oder eine Veränderung bevorsteht.

Gerade bei zukünftigen Situationen zeigt sich oft etwas Interessantes: Unser emotionales System reagiert häufig schon auf erwarteten Stress, noch bevor die Situation überhaupt eingetreten ist. Eine bevorstehende Trennung, eine berufliche Veränderung oder die Sorge, eine Entscheidung könnte anderen Menschen schaden, kann bereits starke innere Spannungen auslösen.


Im Kern geht es immer darum, ein Thema zu betrachten, das inneren Druck oder emotionale Spannung im jeweiligen System auslöst. Die Aufstellung macht sichtbar, welche Beziehungen, Personen oder inneren Loyalitäten daran beteiligt sind.


Die innere Landkarte unserer Beziehungen - das soziale Panorama verstehen

In der imaginativen Aufstellungsarbeit gehen wir davon aus, dass jeder Mensch eine innere Landkarte seiner Beziehungen in sich trägt. Unser inneres System ordnet die Menschen in unserem Leben räumlich ein – näher oder weiter entfernt, vor uns oder hinter uns, manchmal größer oder kleiner. Typische Äußerungen sind „Wir stehen uns nah, obwohl wir weit voneinander entfernt wohnen“ oder „Wir haben uns voneinander entfernt“, wenn sich Paare getrennt haben. Diese räumliche Organisation unserer Beziehungen wird auch soziales Panorama genannt.


Soziales Panorama: innere Wahrnehmung von Beziehungen und emotionalen Abständen zwischen Menschen

Das Spannende daran ist, dass unser Nervensystem auf diese inneren Bilder reagiert, als wären sie real. Die Position, die jemand in unserem inneren Raum einnimmt, kann beeinflussen, wie viel Einfluss diese Person auf uns hat, wie sicher oder unsicher wir uns fühlen oder wie leicht es uns fällt, uns abzugrenzen.

Du kannst das selbst mit einem kleinen Gedankenexperiment ausprobieren.


Schließe dafür für einen Moment die Augen und stelle Dir vor, Du befindest Dich in einem großen, offenen Raum. Dieser Raum hat keine Wände, keine Decke und keine Begrenzungen. Es ist einfach ein weiter Raum, in dem Du Dich frei bewegen kannst. Nimm Dir einen Moment Zeit, dieses innere Bild entstehen zu lassen.


Stell Dir nun vor, dass alle Menschen, die in Deinem Leben eine Rolle spielen, irgendwo in diesem Raum existieren.

Als Erstes denke an eine ehemalige Freundin, zu der Du schon lange keinen Kontakt mehr hast. Spüre kurz in Dich hinein und nimm wahr, wo diese Person in Deinem inneren Raum auftaucht. Vielleicht erscheint sie näher oder weiter entfernt. Vielleicht steht sie vor Dir, neben Dir oder irgendwo im Hintergrund. Achte einfach darauf, was spontan entsteht.


Als Nächstes denke an einen guten Freund, jemanden, den Du schon lange kennst und mit dem Du eine vertraute Beziehung hast. Wo taucht diese Person intuitiv in Deinem inneren Raum auf? Wie groß wirkt sie im Verhältnis zu Dir? Und in welche Richtung scheint sie ausgerichtet zu sein?


Nun denke an eine Autoritätsperson in Deinem Leben. An jemanden, vor dem Du Respekt hast oder dessen Meinung für Dich Gewicht hat. Wo nimmst Du diese Person wahr? Ist sie näher oder weiter entfernt als die anderen? Fällt Dir etwas an ihrer Position oder Haltung auf?


Dann denke an eine Person, der gegenüber Du Dich überlegen fühlst. Vielleicht jemand, für den Du viel Verantwortung übernimmst oder bei dem Du merkst, dass Du eine stärkere Position hast. Auch hier kannst Du beobachten, wo diese Person in Deinem inneren Raum auftaucht.


Und zum Schluss denke an einen Menschen, der Dir besonders am Herzen liegt. Deinen Lieblingsmenschen. Wo befindet sich diese Person in Deinem inneren Raum? Wie nah oder fern fühlt sich diese Position an?


Viele Menschen merken bei diesem kleinen Experiment zum ersten Mal, dass ihr inneres System Beziehungen tatsächlich räumlich organisiert. Genau mit dieser inneren Landkarte arbeiten wir später in imaginativen Aufstellungen weiter.


Warum wir in Aufstellungen nicht mit realen Personen arbeiten

Wenn Menschen zum ersten Mal von imaginativen Aufstellungen hören, taucht oft eine Frage auf: Was bedeutet es eigentlich, wenn wir einer anderen Person in einer Aufstellung Ressourcen schicken oder sich die Beziehungsdynamik zu ihr verändert?


Viele spüren an dieser Stelle zunächst einen inneren Widerstand. Der Gedanke, einer realen Person innerlich etwas zu geben oder etwas an ihr zu verändern, fühlt sich für manche merkwürdig oder sogar falsch an.


Genau hier ist ein wichtiger Punkt zu verstehen: In einer imaginativen Aufstellung arbeiten wir nicht mit den tatsächlichen Menschen aus unserem Leben. Wir arbeiten mit den inneren Bildern dieser Personen, die unser emotionales System gespeichert hat.


Jeder Mensch trägt solche inneren Repräsentationen in sich. Sie entstehen aus Erfahrungen, Erinnerungen, Gefühlen und aus der Bedeutung, die wir einer Beziehung im Laufe unseres Lebens gegeben haben. Wenn in einer Aufstellung also beispielsweise ein Partner, ein Elternteil oder ein Kind auftaucht, dann ist das nicht die reale Person, sondern das innere Abbild dieser Beziehung.


Das ist ein entscheidender Unterschied. Denn wir verändern in einer Aufstellung nicht den anderen Menschen, sondern die Art und Weise, wie unser eigenes System diese Beziehung organisiert hat. Wir arbeiten mit unserer inneren Wahrnehmung – mit dem emotionalen Eindruck, der in uns gespeichert ist.


Gerade beim Thema Ressourcen schicken zeigt sich das sehr deutlich. Manche Klientinnen merken zunächst, dass es ihnen schwerfällt, einer Person in der Aufstellung etwas Gutes zu schicken. Häufig taucht dabei unbewusst der Gedanke auf, man würde der echten Person damit etwas geben, das sie vielleicht gar nicht verdient hat. Wenn jedoch klar wird, dass es sich um die innere Repräsentation handelt, verändert sich diese Perspektive oft spürbar.


Denn das innere Bild einer Person ist Teil unseres eigenen psychischen Systems. Wenn wir dieser inneren Repräsentation etwas geben, unterstützen wir damit nicht die reale Person, sondern regulieren unser eigenes Beziehungssystem. Oft zeigt sich sogar noch etwas Tieferes: Die inneren Bilder von anderen Menschen sind eng mit Anteilen in uns selbst verbunden. Wenn also Ressourcen in die Aufstellung fließen, erreichen sie häufig auch genau die eigenen inneren Anteile, die diese Unterstützung ursprünglich gebraucht hätten.


Auf diese Weise entsteht Schritt für Schritt mehr innere Balance. Nicht, weil sich andere Menschen verändern, sondern weil sich unser eigenes inneres Beziehungssystem neu ordnen kann.


Wenn Beziehungen aus der Balance geraten

Viele Beziehungskonflikte entstehen nicht unbedingt, weil zwei Menschen grundsätzlich nicht zueinander passen. Häufig entwickelt sich im Laufe der Zeit eine Dynamik, in der bestimmte Qualitäten im Miteinander überwiegen, während andere kaum noch Raum bekommen.


Um das zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf das, was in der systemischen Arbeit Interaktionsqualitäten genannt wird. Damit sind grundlegende Muster gemeint, die bestimmen, wie Menschen miteinander in Beziehung treten.


Diese Muster entstehen sehr früh. In den ersten Lebensjahren nehmen wir das emotionale Klima unseres Umfelds besonders intensiv auf. Als kleine Kinder haben wir noch kein klares Gefühl dafür, wo wir selbst aufhören und andere beginnen. Gefühle werden deshalb stark über Resonanz erlebt. Die Angst unserer Bezugsperson kann sich für uns wie unsere eigene Angst anfühlen, genauso wie ihre Wut, ihre Anspannung oder ihre Freude.


In dieser Zeit entsteht Schritt für Schritt unsere innere Landkarte von Beziehungen – also die Struktur unseres sozialen Panoramas. Besonders prägend ist dabei nicht nur was wir erlebt haben, sondern wie Beziehungen in unserem Umfeld gestaltet waren. Welche Interaktionsqualitäten zwischen den Menschen vorherrschten, hinterlässt tiefe Spuren in unserem inneren System.


Ein gesundes Beziehungssystem lebt davon, dass sich verschiedene Qualitäten gegenseitig ausbalancieren. Wenn diese Balance vorhanden ist, können Menschen sich in Beziehungen sicher, verbunden und gleichzeitig frei fühlen.


Ein Beispiel dafür ist die Achse zwischen Nähe und Distanz. Nähe bedeutet emotionale Wärme, Verbundenheit und das Gefühl, füreinander da zu sein. Diese Erfahrung ist für uns Menschen lebenswichtig. Gleichzeitig braucht jedes Beziehungssystem auch Distanz – also Raum für Individualität, Autonomie und das eigene Ich-Sein.

Erst wenn beide Qualitäten im Gleichgewicht sind, entsteht eine gesunde Form von Nähe und eine gesunde Form von Distanz.

Wenn jedoch eine Seite überwiegt, kann das System aus der Balance geraten. Zu viel Nähe kann sich zum Beispiel einengend oder kontrollierend anfühlen, während zu viel Distanz leicht zu emotionaler Kälte oder Rückzug führen kann.


Ähnliche Balanceachsen existieren auch in anderen Bereichen von Beziehungen. Ein System braucht beispielsweise sowohl Beständigkeit und Orientierung an der Vergangenheit als auch Entwicklung und Bewegung in Richtung Zukunft. Ebenso wichtig ist ein Gleichgewicht zwischen Kooperation und Fürsorge, zwischen Risikobereitschaft und Vernunft oder zwischen Leistungsorientierung und individueller Stärke.


Wenn eine dieser Qualitäten dauerhaft überwiegt oder eine andere kaum noch vorhanden ist, entsteht im System eine Schieflage. Diese zeigt sich häufig nicht sofort bewusst, wird aber im Erleben spürbar. Beziehungen können sich dann anstrengend, festgefahren oder emotional unausgeglichen anfühlen.


Genau solche Dynamiken werden in einer imaginativen Aufstellung sichtbar. Die Positionen der inneren Bilder zeigen oft sehr deutlich, welche Interaktionsqualitäten im System dominieren und wo etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Allein dieses Sichtbarwerden kann bereits viel verändern. Denn sobald klar wird, welche Dynamik im Hintergrund wirkt, entsteht die Möglichkeit, das innere Beziehungssystem wieder stärker in Balance zu bringen.


In der Aufstellungsarbeit geht es deshalb weniger darum, einzelne Inhalte zu analysieren, sondern vielmehr darum, die Struktur des Systems zu verstehen und neu zu ordnen. Wenn sich diese Struktur verändert, verändert sich häufig auch das emotionale Erleben innerhalb der Beziehung.


Unsichtbare Rollen, die wir manchmal übernehmen

In Aufstellungen taucht manchmal noch eine andere Ebene auf, die viele Menschen zunächst überrascht. Neben den konkreten Beziehungsdynamiken zeigen sich manchmal auch Rollen oder Identitäten, die wir unbewusst übernommen haben und die bis heute unser Verhalten beeinflussen. In der systemischen Arbeit werden diese Rollen oft Phantom-Identitäten genannt.


Gemeint sind damit innere Muster, die ursprünglich in einem bestimmten Beziehungskontext entstanden sind und die unser System irgendwann übernommen hat, weil sie einmal sinnvoll oder notwendig waren. Das Problem ist nur: Auch wenn die ursprüngliche Situation längst vorbei ist, kann dieses Muster weiterwirken, ohne dass wir es bewusst bemerken.


Manche Menschen tragen zum Beispiel unbewusst eine Art inneren Auftrag in sich, der aus ihrer Familiengeschichte entstanden ist. Andere übernehmen Rollen, die früher einmal geholfen haben, eine schwierige Situation zu bewältigen, die heute aber eher Druck erzeugen.


In der Aufstellungsarbeit begegnen uns immer wieder ähnliche Formen solcher inneren Muster. Zum Beispiel:

  • Manche Menschen tragen ein starkes inneres Motto aus ihrer Familie in sich. Sätze wie „Wir geben nicht auf“ oder „Gefühlen zeigen bedeutet Schwäche“ können zu einem unbewussten Leitprinzip werden, das das eigene Verhalten bis heute prägt.

  • Andere merken, dass sie in Beziehungen automatisch eine bestimmte Rolle übernehmen. Sie sind zum Beispiel immer diejenige, die vermittelt, Verantwortung übernimmt oder versucht, Konflikte für alle zu lösen.

  • Bei manchen zeigt sich eine starke innere Gegenbewegung zu etwas aus der Vergangenheit. Das eigene Verhalten richtet sich dann unbewusst dagegen, so zu werden oder so zu handeln wie eine bestimmte Person aus der eigenen Geschichte.

  • Manchmal übernehmen Menschen unbewusst Muster von jemandem, zu dem sie sich besonders verbunden fühlen. Das kann zum Beispiel ein Elternteil sein, dessen Belastungen oder Haltungen innerlich weitergetragen werden.

  • Und manchmal entsteht ein starker innerer Anspruch, Dinge unbedingt besser machen zu wollen als frühere Generationen oder bestimmte Fehler auf keinen Fall zu wiederholen.


Diese Phantom-Identitäten sind nicht „falsch“ oder problematisch an sich. Sie zeigen vielmehr, wie kreativ unser inneres System versucht hat, mit bestimmten Erfahrungen umzugehen. In einer imaginativen Aufstellung können solche Muster sichtbar werden. Wenn sie einmal erkannt sind, entsteht oft ein neues Verständnis dafür, warum bestimmte Reaktionen oder Rollen immer wieder auftauchen – selbst dann, wenn wir sie eigentlich längst hinter uns lassen wollten. Das Erkennen klingt dann oftmals so „Ich bin wie meine Mutter“ oder „Ich verhalte mich wie mein Vater“.


Wie eine imaginative Aufstellung abläuft – und was sie bewirken kann

Am Anfang einer imaginativen Aufstellung steht immer ein Thema, das eine Klientin mitbringt. Häufig geht es um eine Situation, die innerlich Stress auslöst oder sich immer wieder auf ähnliche Weise zeigt.

Damit Du Dir besser vorstellen kannst, wie diese Arbeit abläuft, lässt sich der Prozess vereinfacht in einige Schritte unterteilen:


1. Das Thema wird klar benannt

Zu Beginn schauen wir gemeinsam, welches Thema gerade im Vordergrund steht. Das kann eine Beziehungssituation, ein innerer Konflikt, eine Entscheidung oder auch ein belastendes Gefühl sein, das immer wieder auftaucht.


2. Ein sicherer innerer Raum entsteht

Bevor die eigentliche Aufstellung beginnt, entsteht in der Vorstellung ein sicherer mentaler Raum. Dieser Raum bildet den Rahmen für die Aufstellung und ermöglicht es, das eigene Beziehungssystem in Ruhe wahrzunehmen.


3. Die inneren Repräsentationen zeigen sich

Nach und nach tauchen die inneren Bilder der Menschen oder Aspekte auf, die mit dem Thema verbunden sind. Sie erscheinen so, wie das eigene System sie gespeichert hat – in bestimmten Abständen, Positionen oder Beziehungen zueinander.


4. Das Beziehungssystem wird sichtbar

Während der Aufstellung zeigt sich oft sehr deutlich, wo Spannung, Druck oder Ungleichgewicht im System vorhanden ist. Manche inneren Bilder tragen viel Verantwortung, andere wirken belastet oder stehen in einer ungünstigen Dynamik zueinander.


5. Ressourcen werden integriert

Dort, wo etwas fehlt, können in der Aufstellung Ressourcen hinzugefügt werden. Wichtig ist dabei zu verstehen, dass diese Ressourcen nicht einer realen Person geschickt werden, sondern den inneren Repräsentationen. Da diese inneren Bilder Teil unseres eigenen psychischen Systems sind, erreichen die Ressourcen häufig auch genau die Anteile in uns selbst, die sie ursprünglich gebraucht hätten.


Viele Klientinnen erleben in diesem Prozess etwas sehr Besonderes: Veränderungen werden nicht nur verstanden, sondern auch emotional spürbar. Wenn sich Positionen im inneren Raum verändern, wenn Belastungen leichter werden oder mehr Balance entsteht, reagiert oft auch das Nervensystem darauf. Situationen, die vorher schwer oder festgefahren wirkten, können plötzlich klarer und beweglicher erscheinen.


Genau darin liegt die Kraft dieser Arbeit. Imaginative Aufstellungen machen sichtbar, was im Hintergrund wirkt, und ermöglichen dem inneren System neue Erfahrungen. Dadurch entsteht oft mehr innerer Spielraum – für andere Perspektiven, für neue Entscheidungen und für Beziehungen, die sich wieder stimmiger anfühlen können.


Wenn sich innerlich etwas neu ordnet

Viele Menschen versuchen lange, ihre Beziehungsmuster über den Verstand zu verändern. Sie analysieren Situationen, reflektieren Gespräche und nehmen sich fest vor, beim nächsten Mal anders zu reagieren. Und trotzdem entsteht oft das Gefühl, dass sich die eigentlichen Dynamiken im Inneren kaum bewegen.

Der Grund dafür ist einfach: Beziehungserfahrungen sind nicht nur als Gedanken gespeichert. Sie sind tief im emotionalen System und im Nervensystem verankert.


Wenn innere Bilder sichtbar werden, wenn Beziehungen im eigenen inneren Raum plötzlich eine Form bekommen und wenn Dynamiken erkannt werden, die vorher nur als diffuses Gefühl existiert haben, entsteht oft ein sehr tiefer Moment von Klarheit. Viele Klientinnen beschreiben, dass sie zum ersten Mal wirklich verstehen, warum sie in bestimmten Situationen so reagieren, wie sie reagieren.


Das Entscheidende ist jedoch, dass es nicht beim Verstehen bleibt. In einer Aufstellung kann sich das innere Beziehungssystem tatsächlich neu organisieren. Positionen verändern sich, Belastungen werden leichter, fehlende Ressourcen können integriert werden. Dadurch entsteht im Inneren oft mehr Ruhe, mehr Stabilität und ein Gefühl von Stimmigkeit.


Diese Veränderung wirkt häufig weit über die Aufstellung hinaus. Denn wenn sich die innere Landkarte von Beziehungen verändert, verändert sich auch, wie wir im Außen reagieren. Plötzlich fällt es leichter, Grenzen zu setzen, Entscheidungen zu treffen oder aus alten Dynamiken auszusteigen.


Imaginative Aufstellungen schaffen damit etwas, das viele Menschen lange gesucht haben: einen Zugang zu den tieferen Ebenen ihrer Beziehungsmuster. Nicht über Analyse allein, sondern über das Erleben im eigenen inneren System. Und genau dort beginnt oft die Veränderung, die vorher so lange unerreichbar schien.


Vielleicht hast Du beim Lesen an eine Situation oder Beziehung gedacht, die sich für Dich immer wieder schwer anfühlt. Wenn Du spürst, dass Du das gerne einmal in einer imaginativen Aufstellung anschauen möchtest, kannst Du Dir hier ein kostenloses Kennenlerngespräch buchen. Dann schauen wir gemeinsam, ob und wie ich Dich dabei unterstützen kann.

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